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Die Gräfin
Harpprecht, Klaus
New - An important biography
Sie war eine ungewöhnliche Frau, und sie wurde zur bedeutendsten Publizistin der Bundesrepublik Deutschland: Marion Gräfin Dönhoff (1909 - 2002), Aristokratin und Bürgerin zugleich. Als langjährige Herausgeberin des Wochenblatts "Die Zeit" hat sie Geschichte geschrieben; als Chronistin der Vertreibung aus ihrer ostpreußischen Heimat wurde sie zur Bestsellerautorin; als Anwältin der Versöhnung von Ost und West setzte sie moralische Maßstäbe: für die Politik, für die Gesellschaft, für das Zusammenleben der Völker im vereinten Europa. Als sie im März 2002 starb, nannte Helmut Schmidt sie in seinem Nachruf eine "wegweisende Mitbürgerin".
Warum sie zu all diesen Leistungen fähig war und was sie dabei antrieb, wer zu ihren Freunden und Weggefährten gehörte, was für ein Mensch diese ruhig-energische und so bescheiden wirkende Preußin war - all das beschreibt Klaus Harpprecht in dieser ersten kritischen Biographie. Als erster Biograph konnte er alle privaten und offiziellen Briefwechsel und Aufzeichnungen Marion Dönhoffs einsehen, er wertete vor allem auch das "Zeit"-Archiv und das Familienarchiv der Dönhoffs aus. Viele wichtige Entwicklungslinien, viele bisher ungekannte Elemente und Facetten im Leben der Gräfin und Bürgerin rücken damit ins Blickfeld. Zum ersten Mal tritt sie als Persönlichkeit mit all ihren menschlichen Zügen ins öffentliche Bewusstsein.
ISBN 978-3-498-02984-5 $47.30 CAN |
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Klang ist Leben
Barenboim, Daniel
Der weltbekannte Dirigent und Pianist Daniel Barenboim erklärt, was uns die Musik über das Leben lehrt. Eine sehr persönliche Reflexion über die Grundfragen unserer Existenz und die Antworten, die wir in der Musik finden können.
SPECIAL
Als der 1942 in Buenos Aires geborene Daniel Barenboim fünf Jahre alt war, nahm er seinen ersten Klavierunterricht: bei seiner Mutter. Sein erstes Konzert gab er zwei Jahre später in seiner Geburtsstadt. Daniel Barenboim war ein Wunderkind. Und das Wunder, das damals von ihm für den Rest seines Lebens Besitz ergriff, war die klassische Musik. So ist der Titel seines neuen Buches, „Klang ist Leben“, weniger das Ergebnis einer philosophischen Reflexion, sondern vielmehr Ausdruck einer Erfahrung, die, in dieser Intensität machen zu dürfen, nur wenigen Menschen beschieden ist.
Im Spiegel der Musik
Hervorgegangen ist dieser Band aus den so genannten Norton Lectures, einer Vortragsreihe, zu der die amerikanische Harvard University Daniel Barenboim im Herbst 2006 eingeladen hatte. Er nutzte die Gelegenheit, um seine Gedanken über den Zusammenhang von Musik und Leben weiterzuentwickeln. Sie speisen sich aus der tiefen Überzeugung, dass wir mit Hilfe der Musik „etwas über uns selbst, unsere Gesellschaft, die Politik – kurz gesagt etwas über uns als Menschen erfahren können.“ Für Barenboim ist Musik also nicht nur ein wichtiger Aspekt menschlichen Lebens, sondern auch ein Schlüssel zu seinem Verständnis.
Substanz und Tempo
Aber wie lässt sich dieser Schlüssel anwenden? Barenboims Antwort lautet: durch Analogien. Er verweist etwa auf die „unauflösbare Verbindung zwischen Tempo und Substanz“, die im Leben und in der Musik gleichermaßen bestehe. So sieht er einen Grund für das Scheitern des Osloer Friedensprozesses zwischen den Palästinensern und Israel auch darin, dass „das Verhältnis von Inhalt und Zeit – von Substanz und Tempo – nicht stimmte. Die Gespräche wurden viel zu hastig vorbereitet, doch nachdem sie dann begonnen hatten, kamen sie viel zu langsam voran und wurden zu häufig unterbrochen, was die Aussichten auf Erfolg verschwindend gering werden ließ.“
Das West-Eastern Divan Orchestra
Alles andere als zufällig ist an dieser Stelle der Bezug auf den Nahost-Konflikt. Er ist nicht nur ein bestimmendes Thema dieses Buches, sondern hat sich für den Autor selbst zu einer Art zweiter Lebensaufgabe entwickelt. Sein wichtigstes „Instrument“ ist dabei das West-Eastern Divan Orchestra, das Barenboim 1999 gemeinsam mit dem – mittlerweile verstorbenen – palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said ins Leben gerufen hat. In diesem Orchester treffen sich jeden Sommer junge Menschen aus Israel, Palästina und den arabischen Ländern, um gemeinsam miteinander zu musizieren. Wenn Barenboim von den abenteuerlichen Vorbereitungen auf ein Konzert in Ramallah oder der Arbeit des Orchesters an einem Werk Wagners – ausgerechnet Wagners! – erzählt, spürt man, wie sich musikalische Leidenschaft und humanitäres Engagement des Autors miteinander verbinden. Es sind diese Passagen, in denen man am besten begreift, was Barenboim meint, wenn er von der Analogie zwischen Musik und Leben spricht – etwa im Hinblick auf vielstimmige Kompositionen: „Dass man die Individualität des anderen akzeptieren und ihm seine persönliche Freiheit lassen muss und kann, ist eine der wichtigsten Lehren, die wir aus der Musik zu ziehen haben.“
Wider die Konsumentenbeschallung
Ein weiteres wesentliches Anliegen Barenboims ist es, dass die Voraussetzungen für eine angemessene Wahrnehmung von Musik überhaupt erst geschaffen werden. Denn ihre Kraft erschließt sich nur dem, der gelernt hat, wie man hört. Mit geradezu missionarischem Eifer fordert er die Aufwertung der musikalischen Erziehung und geißelt zugleich die allgegenwärtige Konsumentenbeschallung oder den Missbrauch von Musik in der Werbung. Sein eindrücklichstes Beispiel ist hier sicherlich der Spot eines US-amerikanischen Toilettenherstellers, der mit einer Passage aus Mozarts „Requiem“ für seine Produkte warb.
Nicht zuletzt an Stellen wie diesen wird deutlich, was für Barenboim die Formel „Klang ist Leben“ bedeutet. Der Klang, von dessen erschließender Kraft sein Buch handelt, ist sicher nicht irgendein Geräusch. „Klang“ ist das Resultat einer Begegnung von Komponist, Interpret und Zuhörer. Der Begriff bezeichnet verinnerlichte Musik und versteht diese als Teil einer menschlichen Kultur, die über die so genannte abendländische weit hinausreicht.
Roland Große Holtforth
(Literaturtest)
Berlin, August 2008
ISBN 978-3-88680-892-2 $37.90 CAN |
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Schweigeminute
Lenz, Siegfried
Finally: A Love story
»Wir haben Siegfried Lenz für ein poetisches Buch zu danken. Vielleicht ist es sein schönstes.« Marcel Reich-Ranicki
Ein warmer Sommer an der Ostsee vor vielen Jahren. Benny Goodmann und Ray Charles sind noch en vogue, in den Gassen spielt der Drehorgelmann, man bezahlt in »Mark«, und wenn die Englischlehrerin vor die Oberprima tritt, stehen alle auf: »Good morning, Mrs. Petersen.«
Wie es zu der Liebe zwischen Stella und Christian kam, wie die Leidenschaft sich an der Realität messen muss und wie dann mit einem Mal alles zu Ende ist – und doch auch nicht.
Stella Petersen war zweifellos eine der beliebtesten Lehrerinnen am Lessing-Gymnasium. Ihre Lebensfreude, ihre Intelligenz und Belesenheit verschafften ihr die Anerkennung und den natürlichen Respekt des Kollegiums wie den ihrer Schüler. Und gewiss führte die Liebe zu ihrem Schüler Christian, die über das ungleiche Paar am Ende der Sommerferien hereinbrach, zu jener Verwirrung der Gefühle deren Intensität und Kraft beide überwältigt.
Siegfried Lenz hat eine großartige Novelle geschrieben über die Liebe eines Gymnasiasten zu seiner Englischlehrerin, eine Geschichte über das Erwachsenwerden und das Erwachsensein, eine Geschichte, in der unbeschreibliches Glück neben tief empfundener Trauer steht.
„Späte Sommerbilder, in einer Sprache wie aus Bernstein gegossen.“ Andrea Seibel, Die Welt
ISBN 978-3-455-04284-9 $31.90 CAN |